Was läuft schief an Deutschlands Schulen

Es gibt bedrohliche Entwicklungen an immer mehr deutschen Schulen. Bisher schaut die Gesellschaft und die Politik weitgehend weg. Es ist noch nicht zu spät aber wir müssen hinschauen und etwas tun.

Was läuft schief an Deutschlands Schulen

Woran liegts, was kann getan werden.

Zu den Autoren:

Gerd Hilscher war lange Jahre Leiter eines evangelischen Internats sowie Sport-, Politik- und Erdkundelehrer am dazugehörigen Gymnasium.

Wilhelm Neef war viele Jahre Lehrer für Physik und Mathematik am Gymnasium, Entwicklungshelfer in Kamerun, ein halbes Jahr Referendar an der technischen Berufsschule, jetzt im Ruhestand.

 

 

„Es ist nicht leicht, die Welt zu verändern, aber es ist einen Versuch wert.“ Zitat von unbekannt evtl. Ernesto Kardinal

 

Was läuft schief an Deutschlands Schulen?!

Wenn man den Wahlkampf und die Berichterstattungen der Presse verfolgt sucht man das Thema vergebens. Dabei sollten alle Alarmglocken schrillen.     Es muss dringend etwas geschehen.

Fangen wir bei den Lehrern an. Viele Lehrer klagen über einen zunehmend stressigen Schulalltag. Ein Teil des Stresses wird durch zu viel Arbeit verursacht, insbesondere Arbeiten die mit dem eigentlichen Unterrichten nichts zu tun haben. Eine weitere zunehmende Belastung stellt der Umgang mit immer auffälligeren Schülerinnen und Schülern sowie den Problemen, die sich durch diese in der Gruppe/Klasse ergeben. Das Zusammenleben von Lehrern und Schülern ist – zumindest an einigen Schulen –  vermehrt von Spannungen geprägt. Unterrichten ist (ohnehin) ein komplexes Tun, eine komplexe Interaktion. Wenn ich eine Klasse unterrichte, in der das Klassenklima intakt ist, eine Klasse, in der die Kinder mich mögen muss ich auch schon fit sein, mich selbst und die Schüler stets im Auge behalten, den Schülern am Gesicht und der Körperhaltung ablesen, ob ich sie oder ihn verbal verletzt habe, sehen, ob die Schüler mir folgen können oder nicht, sehen was sich gerade an Interaktion zwischen den Schülerinnen und Schülern abspielt. Wenn ich mit der Klasse kämpfen muss, kann Unterricht sehr stressig sein – und – er wird wenig effektiv sein. Das Wichtigste ist das ´Schüler – Lehrer Verhältnis`. Ist es gut, lernt der Schüler für mich, gehen die Schüler gern in die Schule, kann Schule allen Spaß machen. Ist es schlecht kann Schule für alle Beteiligten zum Alptraum werden. 

Die Lehrer klagen über (zunehmenden) Stress, die Arbeitgeber klagen über Lehrlinge, die weder sozial, (noch) menschlich, (noch) oder fachlich da sind, wo sie sein sollten, die Anzahl der psychisch kranken Schüler ist deutlich höher als noch vor 10 Jahren. Auch baulich haben viele Schulen erhebliche Mängel, die Toiletten sind oft kaum noch benutzbar - und wir reden – wenn überhaupt von mangelnder Digitalisierung in unseren Schulen. Die Probleme sind alarmierend und müssen dringend angepackt werden.

 

Was können wir, was müssen wir tun?! Wir, die Autoren denken es ist noch nicht zu spät aber allerhöchste Zeit. Wenn wir als Gesamtgesellschaft nichts tun, werden geschätzt 20 – 30 Prozent der nächsten Generation nicht in der Lage sein, sich positiv und konstruktiv in die Gesellschaft einzubringen und nicht nur das, sie werden der Gesellschaft zur Last fallen.   Das darf nicht passieren. Bisher neigen wir jedoch dazu, die Probleme unter den Teppich zu kehren. Die Politik nimmt das Problem entweder gar nicht wahr oder schaut einfach weg – Weil man nicht weiß, wie man es lösen kann?, weil man mit dem Thema keinen keine Wahl gewinnen kann? 

Wir möchten aufzeigen was wir alle tun können, um gegenzusteuern. Schule soll (wieder) ein Ort sein, wo Schüler und Lehrer sich wohl fühlen, wo Lehrer die Kinder beim Erwachsenwerden begleiten, immer ein offenes Ohr für sie haben und die Kinder menschlich, sozial und fachlich auf ihr späteres Leben vorbereiten.

 

  1. Die Lehrerin ist in erster Linie Begleiterin beim Erwachsenwerden, Erzieherin und erst in zweiter Linie Vermittlerin von Wissen und Fähigkeiten

Zurzeit wird die Lehrerarbeitszeit ausschließlich in Unterrichtsstunden bemessen. Alle anderen Aufgaben werden durch ein Punktesystem, das (angeblich) zu einer angemessenen Entlastung führt geregelt, was aber ganz und gar nicht der Fall ist. Die Aufgabe des Klassenlehrers muss dringend aufgewertet werden. Der Lehrer muss hierfür eine angemessene Entlastung bekommen. Es wäre wünschenswert, dass das Klassenleiterteam mit jeder Schülerin, jedem Schüler zu Beginn des Schuljahres ein (sagen wir) 30 minütiges Kennenlerngespräch führt

um die Kinder besser kennen, besser einschätzen und damit individueller auf sie eingehen zu können. 

  1. Nicht der Lehrer erzieht die Schüler sondern die Klasse. Der Lehrer sorgt dafür, dass die Klasse „intakt“ ist und sich in die richtige, prosoziale Richtung entwickelt. Das funktioniert nur, wenn die Klassenstärke bei (wünschenswert wären 26) maximal 28 Schülern liegt. Derzeit gibt es Klassenstärken von 34 bis 36 Schülern. Die sind oft in Klassenräumen untergebracht, die für 26 Schüler konzipiert wurden.  Es darf nicht so sein, dass einzelne Schüler (aufgrund von psychischen oder sonstigen Gründen) den Großteil der Lehreraufmerksamkeit auf sich ziehen und einen geordneten Lernbetrieb verhindern. Die Wahrung eines prosozialen Klassenklimas muss der wesentliche Focus des Lehrers sein. Die Klasse muss „intakt“ bleiben, sonst funktioniert die Erziehung nicht mehr und alles droht in Richtung Anarchie abzugleiten. Wenn der Schüler sich in der Klasse und der Schule wohlfühlt und ein vertrauensvolles Verhältnis zur Lehrerin hat, sind die wichtigsten Grundvoraussetzungen für Erziehung und Bildung erfüllt. 
  2. Schule sollte für Lehrer und Schüler ein weitgehend stressfreier Raum sein. Stress ist Gift für die Schule. In der Schule ist Weniger oft Mehr. Wahrscheinlich gibt es in allen Berufen „Pferdeflüsterer“, die ein Naturtalent für den Beruf haben. (Ich war leider kein solcher.) Unter Stress verschwindet diese Fähigkeit zugewandt und liebevoll mit den SchülerInnen umzugehen und von diesen akzeptiert und respektiert zu werden oft. Wenn es an finanziellen und personellen Mitteln fehlt, plädieren wir dafür, die Anzahl der Unterrichtsstunden für die Schüler zugunsten kleinerer Klassen und einer stressreduzierten Schule zu kürzen.

 

 

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