Entwicklungshelfer in Kamerun 1984

Bilder von mir und meinen Schülern

Zu einigen meiner Schüler hatte ich ein intensives Verhältnis

Ich als Entwicklungshelfer des DED in Kamerun

Zwei Jahre 1983 bis 1985

Wir hatten das Glück in einen abgeschiedenen Teil Kameruns zu kommen, wo es kaum Weiße gab. Wir waren 2-3 Monate jedes Jahr bis auf den Weg über den Fluss nach Nigeria komplett von der Außenwelt abgeschnitten, weil die beiden Straßenverbindungen in der Regenzeit zeitweise unpassierbar waren. Wir lebten auf dem Schulgelände der Internatsschule mit den Kameruner Kollegen und den Schülern eng zusammen. So hatten wir die Gelegenheit, etwas in das Leben im Dorf und in der kleinen nahegelegenen Stadt einzutauchen. Wir wurden von den meisten Menschen freundlich aufgenommen. Es war eine intensive Zeit. Was wir erlebt haben, was das in uns ausgelöst hat, darüber müsste ich ein Buch schreiben oder lange Abende „am Lagerfeuer“ füllen. Hier nur einige wenige Episoden, die (hoffentlich) die Neugierde wecken und Lust auf Mehr machen. Ich schildere das so, wie wir es für uns erlebt haben, aus unserer Sicht.

 

  • Wir hatten schon ein schlechtes Gewissen, weil wir zu zweit ein Haus auf dem Schulgelände bewohnten und in fast allen anderen Häusern wesentlich mehr Menschen wohnten. Eines Sonntags kamen einige Nachbarn zu Besuch und drucksten erst ein Wenig herum, bevor sie sagten, dass sie sich Sorgen machten, dass wir so einsam in dem Haus seien und sie uns anbieten wollten, dass einige ihrer Kinder bei uns wohnen könnten.
  • Viel später im Rahmen der Schulpartnerschaft haben wir die Wohnräume im Internat renoviert. Unsere Absicht war es dabei die großen Schlafsäle in kleinere 4 Bett Zimmer aufzuteilen. Natürlich habe wir das im Vorfeld mit den Schülern besprochen. Die wollten solche kleinen Zimmer nicht.
  • So wie wir das erlebt haben, ist die Kindererziehung Sache der Großfamilie. Die erste Zeit verbringt das Baby in engem Kontakt mit der Mutter. Die Mutter nimmt das Kind auf dem Rücken überall hin mit, auch zum Arbeiten in der Farm. Dann kümmern sich die älteren Kinder, Geschwister, Cousinen, Cousins um die jüngeren Kinder. Sehr bald übernehmen die Kinder Aufgaben in der Familie.
  • Es gibt nicht viele alte Menschen. Sie genießen großes Ansehen in der Gesellschaft. Ihr Rat ist gefragt.
  • Wenn ein alter Mensch stirbt, wird das gefeiert mit Musik, Tanz Essen und Trinken. Nach einem Jahr muss es eine deutlich kleinere Gedenkfeier geben, sonst denkt der Verstorbene, die Lebenden hätten ihn vergessen und das wäre nicht gut für die Lebenden. Die Verstorbenen bleiben in so einer Art Metaebene. Man spricht ganz offen mit ihnen (in der Stammessprache) z.B.: „Wir haben uns heute hier versammelt, um unsere Gäste aus Deutschland willkommen zu heißen. Erschreckt euch nicht. Sie haben lange Nasen und verhalten sich manchmal komisch, aber sie sind unsere Freunde. Bitte habt ein Auge auf sie.“ Viele Familien haben für diesen Anlass eine Flasche Jonny Walker (er ist sehr teuer und nur für die Verstorbenen gedacht) im Haus. Jemand (ich habe nie verstanden, nach welchen Kriterien der Mensch ausgewählt wird) tritt auf die Türschwelle, schüttet etwas aus der Whisky Flasche auf die Erde und spricht mit den Verstorbenen.
  • Wenn Sie irgendwo eingeladen sind, zählen Sie in der Regel zu den Ehrengästen. Die Gäste sitzen dann z.B. im Wohnzimmer und in der Mitte ist ein üppiges Büffet aufgebaut. Nach einer (oder mehr) Reden, dürfen Sie als einer der Ersten zum Büffet gehen und Ihren Teller füllen. Denken Sie an die (wahrscheinlich) vielen anderen Gäste, die zum Teil draußen sitzen und gerne auch noch etwas zu Essen vorfinden möchten, wenn sie viel später zur Tafel gehen dürfen.
  • Wenn Sie jemand fragt, ob er sein Kind nach Ihnen benennen darf, sind Sie wahrscheinlich geneigt zu sagen „warum nicht“. Ihnen sollte jedoch bewusst sein, dass Sie damit Verantwortung für das Kind übernehmen. Es kann sein, dass die Eltern dann Jahre später mit dem „Kind“ bei Ihnen auftauchen und Sie fragen, was das „Kind“ z.B. studieren soll. Dann wird erwartet, dass Sie sich an den Kosten beteiligen.

 

Nun mit dem Gesagten bewegen wir uns an der Oberfläche. Ich denke aber, es wird deutlich, dass Sie, wenn sie neu in Afrika sind und sich nicht auskennen, unweigerlich in einige Fettnäpfchen treten werden. Manche sind harmlos, andere nicht.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.